
ausderMitte
Prof. Dr. med. Dr. Sportwiss. Thorsten Schiffer
Das Spiel des Lebens
Am Anfang war das Spiel. Bewegung gehörte ganz selbstverständlich dazu – ausprobieren, üben, gewinnen und verlieren, etwas allein herausfinden und gemeinsam mit anderen etwas erreichen. Aus dem Spielen wurde Sport, aus dem Sport Leistungssport und schließlich das Studium von Sportwissenschaft und Medizin.
Beide Perspektiven begleiten mich bis heute. Die Sportwissenschaft hat mich gelehrt, Bewegung, Belastung und Anpassung zu verstehen. Die Medizin hat den Blick auf Verletzung und Krankheit hinzugefügt. Die Chirurgie hat mir gezeigt, was medizinisch möglich und manchmal notwendig ist – aber auch, dass nicht alles, was möglich ist, immer notwendig sein muss.
Mit der Arbeit in der sportmedizinischen Ambulanz kamen diese Wege wieder zusammen. Dort habe ich gelernt, wie viel sich durch genaues Zuhören, Beobachten und Untersuchen erkennen lässt – und wie viel Erfahrung dabei bedeutet. Erfahrung allein genügt allerdings nicht. Man kann nur erkennen, was man kennt. Wissenschaft, Fortbildung und die Bereitschaft, die eigene Einschätzung immer wieder zu überprüfen, gehören deshalb für mich genauso zur Medizin wie das, was man über viele Jahre praktisch gelernt hat.
Dabei lässt sich nicht alles planen. Im Sport nicht, in der Medizin nicht und im Leben schon gar nicht. Man kann sich vorbereiten, lernen, trainieren und versuchen, gute Entscheidungen zu treffen. Trotzdem kann man sich irren, verlieren, sich verletzen oder auf etwas treffen, mit dem man nicht gerechnet hat. Entscheidend ist vielleicht weniger, solche Situationen vermeiden zu wollen, als offen dafür zu bleiben, was sich aus ihnen lernen und mitnehmen lässt.
Auch die eigene Mitte bleibt dabei nicht unverändert. Belastungen und Erfahrungen können uns verändern, manchmal vorübergehend, manchmal dauerhaft. Vielleicht geht es deshalb gar nicht darum, immer wieder an denselben Punkt zurückzukehren. Es kann genügen, eine Mitte zu finden, in der man sich wiederfindet – und aus der heraus man erneut aufbrechen kann.
Dabei begleitet mich eine große Zuversicht, dass sich auch in schwierigen Situationen ein Weg finden lässt. Manches lässt sich behandeln oder verändern, anderes braucht Zeit. Und manchmal besteht der nächste Schritt darin, anzunehmen, was sich nicht verändern lässt, und einen guten Umgang damit zu finden. Auch darin kann eine neue Mitte entstehen.
Und bei allem, was sich beeinflussen und erreichen lässt, tut es vielleicht ganz gut, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.

WERDEGANG
1990–1998
Studium der Humanmedizin an der Universität zu Köln und parallel Studium der Sportwissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln. Bereits während des Studiums Mitarbeit bei sportmedizinischen und leistungsdiagnostischen Untersuchungen im Breiten- und Spitzensport.
1996
1997–2002
Chirurgisches Tertial des Praktischen Jahres an der University of Utah, Salt Lake City, USA.
Ärztliche Weiterbildung in Neurochirurgie, Orthopädie, Unfallchirurgie sowie Viszeral- und Gefäßchirurgie.
1997
Promotion zum Dr. med. am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. Auszeichnung der Dissertationsschrift mit dem Arno-Arnold-Preis.
2002–2008
Lehre und Forschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, Institut für Motorik und Bewegungstechnik.
2003
2005–2006
Promotion zum Dr. Sportwiss. und Anerkennung als Facharzt für Chirurgie.
seit 2008
Vertretungsprofessur für Sportwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau.
Leitung der Ambulanz für Sporttraumatologie und Gesundheitsberatung an der Deutschen Sporthochschule Köln.
2013
2026
Habilitation an der Deutschen Sporthochschule Köln und Venia legendi für Sportmedizin.
seit 2026
Verleihung der Bezeichnung „apl.-Professor“ an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Kommissarische Leitung des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln.
MEDIZINISCHE QUALIFIKATIONEN
Facharzt für Chirurgie
Sportmedizin
Manuelle Medizin/Chirotherapie
Notfallmedizin
Durchgangsarzt (D-Arzt)
Akupunktur A-Diplom
Triggerpunkt-Akupunktur
WISSENSCHAFT UND LEHRE
Wissenschaft und Lehre begleiten meine ärztliche Tätigkeit seit vielen Jahren. Dabei verbinden sich für mich Sportmedizin, Sportwissenschaft und Trainingswissenschaft mit der praktischen Erfahrung aus der medizinischen Versorgung.
Meine wissenschaftliche Arbeit reicht von trainings- und leistungsphysiologischen Fragestellungen und den Anpassungsprozessen der Skelettmuskulatur bis zu klinischen Themen der Sportmedizin und Sporttraumatologie. Dazu gehören unter anderem Untersuchungen zu Kraft- und Ausdauertraining, Leistungsphysiologie und muskulären Anpassungsprozessen sowie klinische Studien zu akuten Rückenschmerzen und zur Behandlung von Sprunggelenksverletzungen.
Genauso wichtig ist mir der Weg in die andere Richtung: wissenschaftliche Erkenntnisse in die praktische Medizin zu übertragen und Erfahrungen aus der täglichen Arbeit immer wieder an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu überprüfen.
Die Lehre an der Deutschen Sporthochschule Köln gehört seit vielen Jahren zu meiner Tätigkeit. Medizinisches und sportwissenschaftliches Wissen weiterzugeben bedeutet für mich auch, das eigene Wissen immer wieder zu hinterfragen, einzuordnen und verständlich zu machen.
2018 wurde meine Lehrtätigkeit mit dem 2. Platz beim Lehrpreis der Deutschen Sporthochschule Köln ausgezeichnet.
Eine Auswahl wissenschaftlicher Publikationen findet sich im Bereich „Wissen“.
ENGAGEMENT
2016–2019
2011–2013 · 2017–2020 · seit 2023
Vorsitzender des Sportärztebundes Nordrhein.
Mitglied des Senats der Deutschen Sporthochschule Köln.